mableLOVE – Boykott or not?

mable love soll man, oder soll man nicht?

Darf man eigentlich - mit dem Wissen, wie die Klamotten bei H&M oder Zara produziert werden - dort noch glücklich und mit gutem Gewissen einkaufen?

Primark, H&M und Co. -

darf man das eigentlich noch?

Mode ist mein Leben. Als Designerin für mable, als Model auf Fashionshows, als Stylistin – und als Shopper. Ich liebe es, durch Kollektionen zu stöbern, egal, ob in Shops oder auf Flohmärkten on- und offline.

Als Modedesigner achte ich selbst sehr darauf, woher Materialien kommen und wer meine Entwürfe umsetzt. Ich kenne meine Produzenten und arbeite eng mit den Näherinnen zusammen. Und ich weiß, dass sie geregelte Arbeitszeiten und ein angemessenes Einkommen haben. Nicht zuletzt, weil ich für ein Teil in der Produktion so viel zahle, wie es bei H&M im Laden kostet.

Ja, wir produzieren ein Krümelchen von der Masse, die Marken wie H&M oder Primark weltweit verkaufen und – Ja, wir produzieren in der EU, die bei den Arbeitsverhältnissen auch ein Wörtchen mitzureden hat.

Aber: Darf man eigentlich – mit dem Wissen, wie die Klamotten bei H&M oder Zara produziert werden – dort noch glücklich und mit gutem Gewissen einkaufen?

Ich verstehe das Gefühl, das man hat, wenn man über beide Ohren grinsend mit 3 vollen Tüten aus Primark läuft und weiß, man hat da grade mal einen Hunni gelassen. Das ist Luxus! Der einzige Luxus, den sich viele Menschen leisten können. Ein Mal nicht auf den Preis achten. Ein Mal so fühlen, wie die Rich Girls von „Clueless“. Vor der Tür des Discount – Riesen sehe ich genau diese Menschen erst einmal sämtliche Einkaufstüten umpacken, weil sie nicht mit den Papiertüten gesehen werden wollen, auf denen PRIMARK in großen blauen Lettern steht.

Das Ding ist: Niemandem ist geholfen, wenn man diese Stores einfach boykottiert. Nicht den Angestellten im Shop, nicht den Arbeitern, die unter beschissenen Umständen in mühevoller Kleinstarbeit deine Klamotten nähen. Denn die sind die ersten, die bei Umsatzeinbrüchen ihre Arbeitsplätze einbüßen. So einfach ist es nämlich für die Konzerne gar nicht, „ihren“ Nähern in China oder Bangladesch einfach mehr zu zahlen.

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Die Fabriken, in denen die Klamotten gefertigt werden, gehören zum Großteil nicht den Unternehmen, für die produziert wird. Das sind eigene Firmen, die von Primark  &  Co. beauftragt werden. Diese zwei Unternehmen handeln Preise für die einzelnen Produktionen aus. Die Bezahlung der Arbeiter und Näher ist Sache des Fabrikbetreibers.

Natürlich kann der Auftraggeber hier Guidelines vorgeben. Ob diese allerdings eingehalten werden, ist schwierig nachzuprüfen. Die Inhaber der Fabrik können einzelne Aufträge auch an weitere Fabriken geben, sogenannte „Subunternehmer“. Wo „Arbeitsteilung“ eigentlich eine gute Sache ist, macht es das Prüfen von vernünftigen Arbeitsbedingungen noch schwieriger, weil selbst der Auftraggeber manchmal gar nicht weiß, wo seine Designs denn jetzt eigentlich gefertigt werden.

Man meint immer, so große Unternehmen wie H&M sollten Möglichkeiten haben, hier einige Regeln durchzusetzen. Doch bei hunderten Fabriken, die tausende und abertausende von Klamotten für ein und das selbe Unternehmen nähen, stehen die Prioritäten wohl anders.

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Also nichts zu machen? Einfach so weiter kaufen, wie bisher, weil sich eh nichts ändert? NEIN!

Katja Heidrich

Wenn du dir Gedanken darüber machst, wie du unterstützen kannst, was du gut findest, egal, ob vernünftige Arbeitsverhältnisse und Löhne, Kreativität oder Inspiration für deinen Tag, dann bist du schon auf dem richtigen Weg.

Ich bin mir bewusst, dass es sich der Großteil der Menschen nicht leisten kann, in Boutiquen oder gar bei Designern einzukaufen. Auch ich kaufe super gern bei H&M oder Primark das ein oder andere Teil, weil ich den Style mag und ich mir mit meinem sehr schmalen Budget für die schönen Dinge im Leben auch „mal was leisten“ möchte. Einige meiner absoluten Lieblingsteile sind von ASOS oder Primark und diese trage oder benutze ich schon viele Jahre. Einfach, weil ich auch weiß, dass trotz des kleinen Preises viel Arbeit und Schweiß in so einem Teil stecken und definitiv keine „Wegwerfartikel“ sind, nur weil sie billig sind.

Aber ein oder zwei Mal im Jahr spare ich mir ein paar Euro zusammen, um bei Menschen einzukaufen, die mir am Herzen liegen und deren Kreativität ich unterstützen möchte. Das muss nicht gleich ein Großeinkauf in einer Luxusboutique sein. Eine Bekannte designt tolle Postkarten, Poster und weitere Papeterieartikel in liebevoller Handarbeit, eine andere fertigt tollen Schmuck, von dem ich mir ab und zu ein Stück gönne.

Viele Menschen wissen gar nicht, wie viel mit so einem kleinen 10-Euro-Schein eigentlich möglich ist.

Ein paar Leute mit einem 10er im Monat und man muss als Kreativling nicht mehr fürchten, dass man sich am Ende des Monat keine warmen Mahlzeiten mehr leisten kann.

Viele von uns haben ein Budget für Klamotten im Monat. Wenn man davon jeden Monat etwas zurücklegt, um bewusst Menschen hinter einem Produkt zu unterstützen, tut das nicht nur dem eigenen Karma gut, sondern auch der Umwelt und der kreativen Szene und der Vielfalt im Angebot an tollem Design. Einige unserer Kunden legen einfach 25 oder 30 Euro im Monat beiseite und leisten sich ein Mal im Jahr ein Teil bei uns. Und man muss noch nicht einmal auf das Shopping beim schwedischen, britischen oder irischen Riesen verzichten, nur etwas reduzieren.

Also gar nicht so schwierig, die ganze Sache mit dem „bewusst einkaufen“. Natürlich wird das erst einmal an den Arbeitsbedingungen der Näher nichts ändern. Viele Unternehmen merken allerdings schon länger, dass sich die Prioritäten der Konsumenten verschieben hin zu nachhaltiger Produktion. Wenn sich diese Bewegung festigt, haben die großen Unternehmen keine Möglichkeit mehr, das Thema unter den Teppich zu kehren.

Also: Einfach selbst entscheiden, wen du mit deinem hart verdienten Geld unterstützt!

HALLO!

Ich bin Katja, Designerin und Stylistin bei mable. Ich liebe es, ausgefallene Teile mit tollen Basics zu kombinieren und damit einen ganz eigenen Look zu schaffen.

In meiner Freizeit lese ich wahnsinnig gerne, backe und koche viel und suche online nach den neuesten Schuhtrends!